Wer war Zitronenjette?

Unweit vom Michel erinnert ein Bronzedenkmal an der Ludwig-Erhard-Stra├če an das Hamburger Original „Zitronenjette“, mit b├╝rgerlichem Namen Johanne Henriette Marie M├╝ller (1841-1916). Henriette M├╝ller war nur wenige Monate alt, als ihre Mutter 1841 zum Heiraten von Dessau nach Hamburg zog und recht fr├╝h wurde deutlich, dass sie geistig und k├Ârperlich in der Entwicklung zur├╝ckgeblieben war.

W├Ąhrend andere Kinder in der Hamburger Neustadt drau├čen spielten, musste sie trotz ihrer Einschr├Ąnkung schon als junges M├Ądchen zum Lebensunterhalt beitragen.

Den Erz├Ąhlungen nach kaufte sie den Matrosen im Hafen frische Zitronen ab, um dann mit dem Ausruf „Zitroon, Zitroon, frische Zitroon“ durch die Stra├čen zu ziehen und sie zu verkaufen.

Schon als Kind wurde Henriette M├╝ller oft verspottet und auch als erwachsene Frau bekam sie die h├Ąsslichen Charakterz├╝ge vieler Hamburger fast t├Ąglich zu sp├╝ren. Ihr kleinw├╝chsiges Erscheinungsbild mit einer K├Ârpergr├Â├če von rund 1,30 Metern, der geistige Entwicklungsstand und ein merkw├╝rdiger Kleidungsstil verleitete viele Menschen dazu, sich ├╝ber die im Stadtbild als Zitronenjette bekannte Henriette abfallend lustig zu machen.

Wenn sie ihre Zitronen abends auf St. Pauli verkaufte, spendierten ihr Kneipeng├Ąste h├Ąufiger Schnaps, denn angetrunken soll sie zur Belustigung der Spottenden oft deftige Lieder gesungen haben. Im sp├Ąteren Verlauf ihres Lebens wurde Henriette M├╝ller alkoholkrank und in die „Irrenanstalt Friedrichsberg“ eingewiesen, in der sie bis zu ihrem Tod lebte.

Dem Glauben vieler Menschen nach soll es Gl├╝ck bringen, Zitronenjette am Denkmal die Hand zu reichen. Gl├╝ck, was sie in ihrem Leben wahrlich nicht hatte.

Das Denkmal wurde 1986 vom Bildhauer Hansj├Ârg Wagner geschaffen, der im Mai 2013 verstarb.

Auf einer Tafel unter dem Denkmal ist in Plattdeutsch zu lesen:

„Dien Leben wer suur as de Zitroonen, sall sick dat Erinnern an di lohnen? Dien Schiksol wiest op all de L├╝├╝d, for de dat Gl├╝ck het gor keen Tiet“

(Dein Leben war sauer wie die Zitronen, soll sich das Erinnern an dich lohnen? Dein Schicksal weist auf all die Leute, f├╝r die das Gl├╝ck gar keine Zeit hat.)

Seit 2001 befindet sich auf dem Ohlsdorfer Friedhof ein „Garten der Frauen“, wo an bedeutende Frauen der Hamburger Geschichte erinnert wird. Zum Gedenken an Johanne Henriette Marie M├╝ller wurde dort ein Erinnerungsstein aufgestellt.

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